Umgang mit schwierigen Situationen
Ein Todesfall, eine Trennung, eine Diagnose. Der Anruf, nach dem nichts mehr war wie vorher. Manchmal verändert ein einziger Tag alles, und danach funktioniert das Leben zwar weiter, aber es fühlt sich nicht mehr wie das eigene an. Ich begleite Menschen im Umgang mit schwierigen Situationen.
Umgang mit schwierigen Situationen: Warum die üblichen Werkzeuge nicht mehr greifen
Die meisten Menschen, die zu mir kommen, haben in ihrem Leben schon einiges bewältigt. Sie sind nicht zerbrechlich und waren noch nie bei einer Therapeutin.
Genau das macht eine Krise so verwirrend. Es funktioniert plötzlich nichts mehr von dem, was bisher immer geholfen hat. Sich zusammenreißen hilft nicht. Beschäftigt bleiben hilft nicht. Vernünftig darüber nachdenken erst recht nicht.
Von einer Lebenskrise spricht man, wenn ein Ereignis die bisherigen Bewältigungsstrategien eines Menschen überfordert. Kennzeichnend ist nicht die Schwere des Ereignisses von außen betrachtet, sondern das Missverhältnis zwischen dem, was verlangt wird, und dem, was gerade verfügbar ist. Deshalb kann dasselbe Ereignis den einen Menschen aus der Bahn werfen und den anderen nicht.
Im Umgang mit schwierigen Situationen hilft der Versuch, möglichst schnell wieder zu funktionieren, meist nicht weiter. Wirksamer sind vier Schritte: anerkennen, dass die bisherigen Strategien gerade nicht greifen, den Tag in kleine überschaubare Einheiten teilen, mindestens einen Menschen einweihen statt alles allein zu tragen, und sich keine Frist setzen, bis wann es vorbei sein muss. Entscheidend ist nicht, wie schwer das Ereignis von außen wirkt, sondern was es kostet.
Der Satz zum Missverhältnis nimmt vielen Menschen etwas ab. Es geht nicht darum, ob Ihr Anlass schlimm genug ist für das, was Sie gerade fühlen. Menschen brechen nach einem Umzug zusammen und stehen einen Todesfall durch. Das hat nichts mit Charakter zu tun und viel damit, was gerade sonst noch los ist.
Eine Krise ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen dafür, dass etwas Neues gebraucht wird.
Sie müssen nicht wieder werden, wer Sie vorher waren. Das geht meistens nicht. Es geht darum, wer Sie jetzt werden.
Kennen Sie das?
Das sind Sätze, die ich in meiner Praxis immer wieder höre. Vielleicht ist einer dabei, den Sie kennen.
Sie funktionieren, und niemand merkt etwas
Sie gehen zur Arbeit, Sie kochen, Sie beantworten Nachrichten. Von außen sieht alles normal aus. Sie selbst haben das Gefühl, aus einiger Entfernung zuzuschauen.
Es kommt in Wellen
Drei gute Tage, und dann wirft Sie ein Lied im Supermarkt um. Danach denken Sie, Sie hätten alles verloren, was Sie schon geschafft hatten.
Ihr Umfeld denkt, es sei vorbei
Nach ein paar Monaten fragt niemand mehr. Alle sind weitergegangen, und Sie stehen noch da, wo Sie im Frühjahr standen.
Sie wissen nicht mehr, was Sie wollen
Früher hatten Sie Pläne. Jetzt fragt jemand, was Sie am Wochenende vorhaben, und Ihnen fällt nichts ein.
Sie schämen sich dafür, wie lange es dauert
Sie haben irgendwo gelesen, wie lange so etwas normalerweise dauert, und Sie sind darüber.
Sie haben Angst vor dem, was jetzt kommt
Alles ist offen, und offen fühlt sich nicht frei an, sondern bodenlos.
Trauer und Verlust: Wenn ein Mensch fehlt
Trauer ist keine Krankheit. Sie ist die normale Antwort eines Menschen auf einen Verlust, und sie braucht keine Behandlung.
Was sie manchmal braucht, ist jemand, der sie aushält, ohne sie abkürzen zu wollen. Genau daran fehlt es vielen Trauernden. Nicht an Mitgefühl, sondern an Menschen, die die Stille mit aushalten.
Trauer betrifft in Deutschland jedes Jahr sehr viele Menschen. Rechnet man mit etwa fünf nahen Angehörigen pro Verstorbenem, sind allein durch Krebserkrankungen über eine Million Hinterbliebene im Jahr betroffen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Trauernden entwickelt sich eine anhaltende, problematische Trauer, die länger als sechs Monate besteht und den Alltag deutlich beeinträchtigt. Für die große Mehrheit gilt dagegen: Trauer ist keine Störung, sondern ein Prozess.
Nach einer Trennung: Wenn der Boden fehlt
Eine Trennung ist ein Verlust, auch wenn niemand gestorben ist. Und sie ist ein Verlust ohne Trauerfeier, ohne Beileidskarten und ohne Freistellung von der Arbeit.
Das ist einer der Gründe, warum Menschen nach einer Trennung oft härter mit sich sind als nach einem Todesfall. Es fühlt sich an, als stünde einem die Erschütterung nicht zu.
Trennungsschmerz ist körperlich
Das Gefühl im Brustkorb, der fehlende Appetit, das Aufwachen um vier Uhr morgens. Das ist keine Einbildung und kein Selbstmitleid. Verlusterleben und körperlicher Schmerz teilen sich im Gehirn Verarbeitungswege, deshalb tut es tatsächlich weh.
Wenn die Trennung schon länger her ist
Manche Menschen kommen erst, wenn alle anderen sagen, das müsste doch inzwischen vorbei sein. Genau dann ist es oft sinnvoll. Was nach einem Jahr noch da ist, geht meistens nicht von allein weg, sondern hängt an etwas anderem, das mit der Trennung nur sichtbar geworden ist.
Wenn sich beruflich alles ändert
Eine Kündigung, eine Umstrukturierung, eine Krankheit, die den bisherigen Beruf unmöglich macht, oder das Ende des Arbeitslebens. Das sind Einschnitte, die selten als Krise anerkannt werden, weil sie ja nur die Arbeit betreffen.
Nur ist die Arbeit für die meisten Menschen deutlich mehr als Einkommen. Sie ist Tagesstruktur, Zugehörigkeit und ein großer Teil der Antwort auf die Frage, wer man ist.
Das Besondere am Ruhestand
Auf diesen Einschnitt freuen sich viele jahrelang und fallen dann in ein Loch, mit dem sie nicht gerechnet haben. Darüber spricht kaum jemand, weil es undankbar klingt. Es ist trotzdem verbreitet.
Berufliche Neuorientierung
Wenn das Alte nicht mehr geht und das Neue noch nicht da ist, ist die schwierigste Frage nicht, was man kann. Es ist die Frage, was man eigentlich will, und genau die haben viele Menschen seit zwanzig Jahren nicht mehr gestellt.
Wenn Sie einfach nicht mehr weiterwissen
Manchmal gibt es kein einzelnes Ereignis, das man benennen könnte. Es hat sich etwas angesammelt, und irgendwann steht man morgens auf und weiß nicht mehr, wofür.
Das ist schwerer zu erklären als ein Todesfall. Man hat nichts vorzuweisen, was den Zustand rechtfertigen würde, und genau deshalb suchen viele Menschen in dieser Lage keine Hilfe.
Sie brauchen keinen Grund, der schlimm genug ist. Es reicht, dass es so nicht weitergeht.
Orientierungslosigkeit ist ein Zustand, keine Eigenschaft
Wer in einer solchen Phase ist, hält sich oft für entscheidungsschwach oder antriebslos. Meistens stimmt das nicht. Meistens fehlt schlicht der Boden, von dem aus man entscheiden könnte, und den kann man wieder herstellen.
Wenn es gerade nicht bis morgen warten kann
Wenn Sie gerade das Gefühl haben, nicht mehr weiterleben zu wollen, wenden Sie sich bitte an eine dieser Stellen. Dort ist jemand erreichbar, auch nachts und am Wochenende. Sie müssen dafür nichts erklären und nichts beweisen.
0800 111 0 111 · Telefonseelsorge, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym
0800 111 0 222 · Telefonseelsorge, zweite Nummer
116 117 · Ärztlicher Bereitschaftsdienst, bundesweit und kostenfrei
112 · Rettungsdienst, bei akuter Gefahr
Wie ich Ihnen helfen kann
Beim Umgang mit schwierigen Situationen habe ich keine Methode, die Trauer abkürzt, und ich würde sie auch nicht anwenden wollen. Was ich anbiete, ist Begleitung durch eine Zeit, die man nicht überspringen kann.
Sie müssen nichts sortieren, bevor Sie kommen
Viele Menschen glauben, sie müssten erst wissen, worüber sie sprechen wollen. Das müssen Sie nicht. Es reicht, wenn Sie da sind und erzählen, was gerade oben liegt.
Wir schauen, was Sie gerade trägt und was fehlt
In einer Krise verliert man den Überblick darüber, was noch funktioniert. Oft ist mehr da, als es sich anfühlt. Das sichtbar zu machen, ist der erste Schritt zurück zur Handlungsfähigkeit.
Wir arbeiten an dem, was feststeckt
Manchmal ist es ein Bild, das nicht weggeht. Manchmal ein Satz, den man noch sagen wollte. Manchmal Schuldgefühle, die niemand von außen ausräumen kann. Dafür gibt es Methoden, und die setzen wir gezielt ein.
Sie bestimmen das Tempo
Es gibt keinen Zeitplan und keine Sitzungszahl, die Sie erreichen müssten. Manche kommen fünfmal, manche über ein Jahr in größeren Abständen. Beides ist in Ordnung.
Beratung in meiner Praxis und Online
Meine Praxis liegt in Berumbur, mitten zwischen Norden, Aurich und Wittmund. Für Gespräche in dieser Lebensphase plane ich keine feste Taktung. Manche Menschen kommen wöchentlich, andere alle sechs Wochen, und beides kann richtig sein.
Wenn Sie nach einem Termin nicht gleich wieder ins Auto steigen möchten, sagen Sie das einfach. Es ist genug Zeit.
Wenn die Anfahrt zu weit ist oder Sie an manchen Tagen das Haus nicht verlassen können, arbeite ich auch online.
Viele meiner Klientinnen wussten lange, was sie belastet. Sie wussten nur nicht, wie sie loskommen. Das ist der Punkt, an dem ich anfange.
Das werde ich oft gefragt
Wie gehe ich mit schwierigen Situationen um?
Meist nicht, indem Sie versuchen, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Wirksamer sind vier Schritte: anerkennen, dass Ihre bisherigen Strategien gerade nicht greifen, den Tag in kleine überschaubare Einheiten teilen, mindestens einen Menschen einweihen statt alles allein zu tragen, und sich keine Frist setzen, bis wann es vorbei sein muss. Entscheidend ist nicht, wie schwer das Ereignis von außen wirkt, sondern was es Sie kostet.
Wie lange dauert Trauer?
Dafür gibt es keinen Zeitplan. Das bekannte Phasenmodell suggeriert einen festen Ablauf, den die Forschung nicht stützt. Trauer verläuft in Wellen, mit Phasen der Entlastung und erneuten Einbrüchen, oft an Jahrestagen oder an bestimmten Orten. Ein solcher Einbruch ist kein Rückschritt, sondern der normale Verlauf.
Stimmen die fünf Trauerphasen?
Nicht in der Form, in der sie meistens dargestellt werden. Das Modell stammt ursprünglich aus der Begleitung schwer kranker Menschen, nicht aus der Trauerforschung. Ein fester Ablauf klar abgegrenzter Trauerphasen für alle Trauernden lässt sich empirisch nicht belegen.
Ab wann ist Trauer nicht mehr normal?
Seit ICD-11 gibt es die Diagnose der anhaltenden Trauerstörung. Sie setzt voraus, dass die Beschwerden mindestens sechs Monate nach dem Verlust fortbestehen und wichtige Lebensbereiche erheblich beeinträchtigen. Etwa 10 bis 20 Prozent der Trauernden sind betroffen. Diese Diagnose stellen Ärzte oder approbierte Psychotherapeuten, nicht ich. Wenn ich diesen Eindruck habe, sage ich es Ihnen.
Ist mein Anlass schlimm genug?
Diese Frage höre ich sehr oft. Eine Krise entsteht nicht aus der Schwere eines Ereignisses von außen betrachtet, sondern aus dem Missverhältnis zwischen dem, was verlangt wird, und dem, was gerade verfügbar ist. Deshalb wirft dasselbe Ereignis den einen um und den anderen nicht. Wenn es Sie umwirft, ist das Grund genug.
Es ist schon über ein Jahr her. Ist es jetzt zu spät?
Nein. Im Gegenteil, viele Menschen kommen erst dann, wenn das Umfeld längst weitergegangen ist. Was nach einem Jahr noch da ist, geht meistens nicht von allein weg.
Muss ich über den Verstorbenen sprechen?
Nur so viel, wie Sie möchten. Manche Menschen wollen vor allem erzählen, andere wollen gerade das nicht. Beides geht. Bei Methoden wie EMDR ist es ohnehin nicht nötig, alles in Worte zu fassen.
Was ist der Unterschied zwischen Trauerbegleitung und Therapie?
Trauerbegleitung geht davon aus, dass Trauer eine normale Reaktion ist, die Raum braucht und keine Behandlung. Eine Psychotherapie behandelt eine diagnostizierte Erkrankung. Ich begleite, und ich sage Ihnen, wenn ich den Eindruck habe, dass Sie darüber hinaus etwas anderes brauchen.
Wie viele Termine brauche ich?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche kommen fünfmal, andere über ein Jahr hinweg in größeren Abständen. Es gibt keine Mindestzahl und keine Verpflichtung.
Arbeiten Sie auch online?
Ja. Gerade in akuten Phasen ist das oft hilfreich, weil es Tage gibt, an denen das Haus zu verlassen zu viel ist. Wichtig ist nur, dass Sie ungestört sind.
Lassen Sie uns ins
Gespräch kommen
Ich arbeite bevorzugt online. Das hat Gründe, die vor allem für Sie sprechen: keine Anreise, keine Wartezeit, und Sie sitzen währenddessen in einem Raum, in dem Sie sich ohnehin sicher fühlen.
Gerade bei Themen, über die man nicht leicht spricht, ist das oft der leichtere Einstieg. Viele Menschen erzählen zu Hause Dinge, die sie in einem fremden Raum erst nach Wochen ansprechen würden.
Meine Praxis befindet sich in Ostfriesland, in Berumbur zwischen Norden, Aurich und Wittmund.
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